Erinnerungen an Persönlichkeiten
 



 

Übersicht Geschichte

 

 

 
Es gibt zahlreiche Persönlichkeiten, derer man in Dinslaken gedenkt:
  • Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte,
  • Dinslakener, die über die Grenzen Dinslakens hinaus Geschichte geschrieben haben und
  • Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur, an deren Person und Wirken die Erinnerungen wachgehalten werden sollen.

Einige dieser Personen und ihre Verdienst wollen wir im folgenden vorstellen, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

   
Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte:

Friedrich Althoff

Willi Dittgen

Heinrich Douvermann

Meta Dümmen

Schwester Euthymia

Julius Kalle

Karl Heinz Klingen

Dr. Otto Seidel

Elmar Sierp

Kathrin Türks

Josef Zorn

 

Persönlichkeiten von überörtlicher Bedeutung:

Willy Brandt

Friedrich Ebert

Otto Hahn

Theodor Heuss

Adolf Kolping

Johann Heinrich Pestalozzi

Jeanette Wolff

Friedrich Althoff (1939-1907)

Die Grundlagen des heutigen Bildungswesens sind im Anfang des 19. Jahrhunderts gelegt worden. Eine Reihe eng miteinander verbundener, hochstehender preußischer Männer hat es geschaffen: Wilhelm von Humboldt und der Minister von Altenstein, Nicolovius, Süvern und Johannes Schulze im Kultusministerium. Alle waren getragen von reinstem Idealismus. Aber erst am Ende des 19. Jh. kam wieder ein Ebenbürtiger: Friedrich Althoff, ein Idealist wie sie, aber vielseitiger in der Konzeptionierung und erfolgreicher in der Durchführung seiner Pläne. 25 Jahre hat sein mächtiger Geist im Preußischen Kultusministerium gewirkt.

Am 19. Februar 1839 wurde Friedrich Theodor Althoff in dem damals noch kleinen Dinslaken als Sohn des 54jährigen Domänenrates Friedrich Theodor Althoff und seiner Gemahlin Julie von Buggenhagen geboren. Der Vater entstammte einer alten Bauernfamilie der westfälischen Mark. Die Mutter war Tochter des preußischen Etats- und Kriegsministers von Buggenhagen.

Althoff hat sich in seinen letzten Lebensjahren einmal geäußert, dass seine Toleranz gegen Andersgläubige zum Teil auf seine unvergesslichen Kindheitserfahrungen in Dinslaken zurückgehe. "Dort lebten Protestanten, Katholiken und Juden einträchtig miteinander, und nie habe ich ein intolerantes, noch viel weniger ein verächtliches Wort über Andersgläubige von den Eltern gehört."

Fritz besuchte die Stadtschule und nahm daneben Privatunterricht bei dem Lehrer Conrady. Im Spiel wurde er nicht beschränkt. Fritz wuchs mit den Kindern der Stadt auf; er war ihr Anführer. Früh lernte er das Lateinische. Den Handwerkern sah er gerne zu und machte sich selbst die Buchbinderei zu eigen. Gern dachte er später an die Dinslakener Jugendzeit zurück. Ab 1851 besuchte er das Weseler Gymnasium. 1852 starb der Vater. Die Besitzung in Dinslaken, heute Rathaus, wurde verkauft. Mutter und Sohn zogen nach Wesel um.

Nach dem Besuch der Universität Bonn erhielt Friedrich Althoff seine juristische Ausbildung am Kreisgericht Neuwied. Berlin, Ehrenbreitstein und Bonn waren Zwischenstationen bis er 1871 nach Straßburg in das neuerworbene Reichsland Elsaß-Lothringen kam. Hier kam er in sein künftiges Lebenselement hinein, in das Bildungswesen von der Volksschule bis zur Universität. Als erste Maßnahme erhöhte er das Gehalt der Volksschullehrer um mehr als ein Drittel. Das Werden der Universität Straßburg hat er entscheidend beeinflusst. Er vertrat den Gedanken, dass die medizinischen Institute in die Nähe der Krankenhäuser gehörten.

Im Kultusministerium Berlin stieg Friedrich Althoff in die entscheidenste Stelle auf. Ein Viertel Jahrhundert hat er dort geherrscht; nach ihm konnte niemand mehr dieselbe Bürde tragen. Sein Amt musste zerteilt und auf vier Personen aufgegliedert werden. Das Hochschul- und Höhere Schulwesen bekam durch Althoff als Ministerialdirektor ihre Prägung. Die reale Bildung trat 1900 neben die humanistische. Die Technische Hochschule hat Althoff entscheidend beeinflusst, das Höhere Mädchenschulwesen geordnet.

1907 nahm er mit 68 Jahren den Abschied, hochgeehrt und vielseitig ausgezeichnet. Schon im Jahr darauf starb er.

Ein Zeitgenosse beschrieb die äußere Erscheinung Althoffs wie folgt: In ihr war alle feste Energie, Wagemut, Einfachheit und Güte, die an seine Heimat gemahnte. Ein wetterfester Steuermann auf dem Meere der parlamentarischen, der Universitäts- und Unterrichtskämpfe. Außerhalb dieser Kämpfe war es aber Friedrich Althoffs Herzensmeinung, dass es die selbstverständliche Pflicht der Großen und Reichen dieser Welt sei, mit ihren Schätzen den Fortschritt der Menschheit durch große Gaben für wissenschaftliche und Wohlfahrtszwecke zu fördern.

Willy Brandt (1913-1992)

1969-1974 Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Weitere Informationen: Biographie Willy-Brandt-Stiftung

Willi Dittgen (1912-1997)

Namhafter Autor, langjähriger Motor und Seele kulturellen Lebens in Dinslaken. Der Zugang zur ehemaligen Burganlage wurde nach ihm benannt: Willi-Dittgen-Steig

Willi Dittgen, geb. 18.11.1912, 1997 im Alter von 84 Jahren verstorben. Er ist der wohl namhaftester Dinslakener Autor zeit- und heimatgeschichtlicher Werke. Der gebürtige Düsseldorfer war über Jahrzehnte Motor und Seele des kulturellen Lebens in Dinslaken. Nach dem Kriege wurde er 1946 vom ersten Bürgermeister und Landrat Dr. Josef Zorn, seinem ehemaligen Deutschlehrer am Gymnasium, mit dem Aufbau eines neuen Kulturlebens beauftragt. Als Leiter des Kultur- und Presseamtes organisierte er Konzerte und Theateraufführungen, gab die entscheidenden Impulse für Aufbau des Heimatmuseums und der Volkshochschule, deren Leitung er übernahm. Mitbegründer war er beim Madrigalchor und Kammerorchester.

13 heimatkundliche Bücher schrieb Willi Dittgen. 30 Heimatkalender stellte er zusammen, die unverzichtbare Quelle bleiben für alle, die sich mit Heimatgeschichte in Dinslaken befassen. Geehrt wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland und mit dem Dinslakener Pfennig des Heimatvereins, dessen ehrenamtlicher Geschäftsführer er mehr als 50 Jahre war.

Mehr als zwei Jahrzehnte profitierten auch die Redaktionen der ortsansässigen Zeitungen und deren Leser von vielen Beiträgen des nimmermüden Heimatchronisten Dittgen, die auf seinem legendären Text- und Bildarchiv fußten, das nach seinem Tod an das Stadtarchiv übergeben wurde.

Heinrich Douvermann (1480-1543)

Der vermutlich 1480 in Dinslaken geborene Douvermann (auch Heinrich Douwermann, Henrik Douvermann) wurde ab 1510 von Dries Holthuis in Kleve ausgebildet, wo er 1514 auch seine erste Werkstatt einrichtete. Im Stil gehört Douvermann der letzten Phase der Spätgotik an, in der sich der gotisch-barocke Formwille bis zu seinen letzten Möglichkeiten auslebt. Ab 1518 kann eine Werkstatt in Kalkar belegt werden, in der er binnen vier Jahren den „Sieben-Schmerzen-Altar“ der Kirche St. Nicolai als eine seiner umfangreichsten und bekanntesten Arbeiten fertigstellte, welcher 150 handgeschnitzte Figuren vor einer detailgenauen Architektur- und Landschaftskulisse enthält. In der vorderen Ebene der Predella ein durchsichtiges, wunderbar fein und lebendig behandeltes Distelgeschlinge, dahinter in der Tiefe der schlafende Jesse; der Aufsatz nach fläm. Weise in kleine, vielfigurige Szenen geteilt, im Ornament einzelne Renaissancemotive.

Ebenfalls zu Douvermanns bekanntesten Arbeiten zählen der Marienaltar der Stiftskirche in Kleve. Zu seinen Hauptwerken zählt der Marienaltar des Xantener Doms, dessen Predella noch heute als Meisterwerk der Handwerkskunst gilt.

Die beiden schwarzen Engel, die links und rechts neben dem Kreuzaltar der St. Vincentius-Kirche in Dinslaken stehen, werden ihm zugeordnet.

Nach ihm wurde eine Straße und die daran gelegene Sporthalle benannt, die von den Schülern der Jeanette Wolff Realschule und des Berufskolleg genutzt wird.

Friedrich Ebert (1871-1925)

gelernter Sattler aus Heidelberg, war früh politisch und gewerkschaftlich in Bremen aktiv. Seit 1905 im Parteivorstand der SPD in Berlin tätig, wurde er 1912 Mitglied des Reichtages und 1916 einer der Vorsitzenden der sozialdemokratischen Reichtagsfraktion. Bereits 1913 war er nach August Bebels Tod zum Parteivorsitzenden der SPD gewählt worden.

Nach dem Sieg der Revolution von 1918 übernahm er den Mitvorsitz der Revolutionsregierung, des "Rates der Volksbeauftragten". Er war ein entschiedener Gegner der "Diktatur des Proletariats" und eines Rätesystems nach russischem Vorbild, befürwortete die parlamentarische Demokratie und setzte die Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung durch, die ihn am 11.2.1919 zum Reichpräsidenten wählte.

In seiner Amtszeit zielte er auf politischen und sozialen Ausgleich zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum und lehnte eine klassenkämpferische Politik ab, was auch innerhalb der Sozialdemokratie nicht unumstritten war. Doch insbesondere die Rechte machte ihn zur Zielscheibe von Verleumdungen und Verunglimpfungen, die in seiner Person die Republik treffen sollten und 1925 zum frühen Tod dieses ersten demokratisch gewählten Staatsoberhaupts in Deutschland beitrugen.

Wer mehr wissen möchte: Friedrich-Ebert-Stiftung Biographie Gedenkstätte

Meta Dümmen (+ 1.9.2003)

Aufgewachsen in der Tadition der Sozialdemokratie und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) war sie eine der großen Frauen der AWO am Niederrhein und hat maßgeblich am Aufbau des Verbandes in den Nachkriegsjahren beteiligt. Sie war jahrzehntelang Ortsvereinsvorsitzende in Dinslaken, lange Mitglied im AWO-Kreisvorstand, davon einige Jahre stellv. Kreisvorsitzende und jahrelang Mitglied im Bezirksvorstand.

Meta Dümmen war Trägerin der höchsten Auszeichnung der AWO, der Marie-Juchacz-Plakette.

In ihrer langjährigen Tätigkeit als Mitglied des Rates der Stadt Dinslaken galt ihr besonderes Bemühen, den Alten, Schwachen und Benachteiligten zu helfen.

In Gedanken an Meta Dümmen wurde im Jahre 2003 das Haus Schlossstr. 3-5, in dem seit langen Jahren eine Altenbegegnungsstätte der AWO beheimatet ist, nach ihr benannt. 

Schwester Euthymia (1914-1955)

wurde am 8. April 1914 in Halverde bei Steinfurt in Nordrhein-Westfalen als Emma Üffing geboren. Sie trat 1934 in den Orden der Clemensschwestern in Münster ein, erhielt den Namen Euthymia und wurde zur Krankenschwester ausgebildet. In diesem Beruf arbeitete sie ab 1936 in Dinslaken. Während des Krieges pflegte sie ansteckend kranke Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, was ihr den Beinamen "Engel der Liebe" eintrug. Ab 1948 wirkte sie wieder in Münster als Leiterin der Wäscherei des Mutterhauses. Euthymia verbrachte viel Zeit im Gebet. Trotz der vielen Arbeit blieb sie die freundliche Schwester, die für jeden ein Lächeln und ein gutes Wort hatte und allen half, die sie um Hilfe baten. Am 9. September 1955 starb sie an den Folgen eines Krebsleidens.

Am Tag nach Euthymias Tod ereignete sich, was im Seligsprechungsverfahren als Wunder anerkannt wurde: Eine Schwester, die bei einem Arbeitsunfall in der Wäscherei schwere Verbrennungen und Quetschungen erlitt, bat am offenen Sarg von Schwester Euthymia um Fürsprache; in kürzester Zeit wurde die Hand geheilt. Bis heute erbitten Menschen die Fürsprache von Schwester Euthymia, mehr als 150.000 Briefe im Mutterhaus der Clemensschwestern geben Zeugnis davon.

Zur Erinnerung an ihr segensreiches Wirken im Vinzenz-Hospital wurde die Stichstraße, die von der Marktstraße auf das Gelände des Krankenhauses führt, nach ihr benannt. Im Innenhof des Krankenhauses befindet sich - für Jeden zugänglich - eine Gedenkstätte, die von dem Dinslakener Künstler Alfred Grimm gestaltet wurde. An dieser Stelle stand einst die Baracke, in der Sw. Euthymia die Kranken pflegte.

Otto Hahn (1879-1968) 

Chemiker, Nobelpreisträger und Namensgeber des zweitältesten Gymnasiums in Dinslaken war bei der Einweihung des Gymnasiums am 22. Juni 1967 persönlich anwesend. Das Otto-Hahn-Gymnasium liegt Ecke Hagen-/Amalienstraße.

Biographie

1879
8. März: Otto Hahn wird in Frankfurt/Main als Sohn eines Geschäftsmannes geboren.

1901
Nach dem Studium der Chemie in Marburg und München promoviert Hahn zum Dr. phil. und wird anschließend Assistent an der Universität in Marburg.

ab 1904
Forschungstätigkeit in London, Montreal/Kanada (1905) und später Berlin (1906); Konzentration auf radiochemische Forschung.

1905
Entdeckung eines neuen radioaktiven Elements, das Radiothor genannt wird.

1910
Mitglied der internationalen Radium-Standard-Kommission in Brüssel.

Gemeinsam mit Lise Meitner und Otto von Baeyer gelingt es ihm, zum ersten Mal, Betastrahl-Spektren von einer Reihe radioaktiver Strahlen zu erhalten. Dieses Verfahren spielt in der modernen Atomforschung eine wesentliche Rolle.

Ernennung zum Professor für Chemie in Berlin.

ab 1912
Mitarbeiter des neu gegründeten Kaiser-Wilhelm-Institutes für Chemie in Berlin-Dahlem.

1918
Gemeinsam mit Lise Meitner entdeckt Hahn das Element 91, welches den Schlüssel zur Klärung der Zerfallserscheinungen der radioaktiven Elemente darstellt.

1928-1945
Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts, das er bereits seit 1924 kommissarisch leitet.

1938
Da Lise Meitner als Jüdin Deutschland verlassen musste, vollendet Hahn mit seinem neuen Mitarbeiter Strassmann den berühmt gewordenen Versuch, bei dem erstmals die Spaltung des Uran-Kerns durch Neutronen gelingt. Bei dieser Kernspaltung werden bisher nicht vorstellbare Mengen von Energie freigesetzt. Damit sind die Voraussetzungen zur technischen Nutzung der Kernenergie, aber auch zur Herstellung von Atomwaffen gelegt.

1939-1945

Während des Zweiten Weltkrieges konzentriert sich die Arbeit Otto Hahns auf die Isolierung und Identifizierung neuer unbekannter Atomarten, die bei der Urankernzertrümmerung als radioaktive "Spaltprodukte" entstehen.

1945
Wie andere führende Wissenschaftler wird Otto Hahn in England interniert.

November: Verleihung des Nobelpreises 1944 für Chemie.

1948-1960
Präsident der "Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften", der Nachfolgeorganisation des "Kaiser-Wilhelm-Institutes". In dieser Eigenschaft fordert Hahn immer wieder ein Atomwaffenverbot.

1954

Auszeichnung mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

seit 1956
Mitglied des Präsidiums der Deutschen Atomkommission für friedliche Nutzung der Atomenergie.

1957
Unterzeichnung der Göttinger "Erklärung der 18 Atomwissenschaftler" gegen die Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.

1959
Gründung des Hahn-Meitner-Institutes für Kernforschung in Berlin.

1968
28. Juli: Otto Hahn stirbt in Göttingen.

Theodor Heuss (1884-1963)

wurde am 12. September 1949 zum ersten Bundespräsidenten der neuen Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er bekleidete dieses Amt bis 1959. Nach ihm wurde das Gymnasium an der Voerder Straße benannt.

Wer mehr wissen möchte: BiographieStiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus - Bundespräsident.de

Julius Kalle

Direktor des Dinslakener Feineisenwalzwerks, das seinerzeit Eigentum des Großindustriellen Fritz Thyssen war. Julius Kalle war um ein gutes Verhältnis zu seinen Arbeitern bemüht und hatte für ihre Sorgen und Nöte großes Verständnis. Entsprechend war auch der Grad seiner Beliebtheit, deren er sich erfreute.

Nach ihm wurde die entlang des Rotbachs verlaufende Verbindungsstraße zwischen Schloss- und Otto-Brenner-Straße benannt.

Karl-Heinz Klingen (1929-1993)

war von 1973 - 1993 ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Dinslaken. Die ehemalige Hiesfelder Straße, die Verbindungsstraße vom Neutor zum Ortsteil Hiesfeld, wurde nach ihm benannt. Er war Gewerkschaftssekretär der IG Metall und aktives Mitglied der SPD.

Karl Heinz Klingen starb im November 1993 nach schwerer Krankheit im Alter von 64 Jahren.

Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827)

galt über Jahrzehnte als Begründer der Pädagogik und als Propagandist einer allgemeinen Bildung für alle Menschen. Die heutige Gemeinschaftsgrundschule (GGS) an der Gartenstraße trug in früheren Zeiten seinen Namen.

Intellektuelle und handwerkliche Kräfte (Kopf und Hand) stehen nach Pestalozzi im Dienste der gebildeten Herzenskräfte. Werden diese entfaltet, geht es um "Erziehung", wogegen Pestalozzi bei der Entwicklung und Stärkung von geistigen und physischen Kräften zumeist von "Bildung" spricht. Nun sollten Bildung und Erziehung nicht getrennt, sondern miteinander verbunden werden, und zwar so, dass die Bildung zum Mittel der Erziehung wird. Daraus ergibt sich das Konzept des erziehenden Unterrichts. Pestalozzi wollte aber diesen nicht der Schule allein übertragen, sondern trat ein für die "Mutterschule": Die Eltern, primär die Mutter, sollten sich neben der moralischen Erziehung ihrer Kinder gleichfalls kümmern um eine gezielte Schulung von Kopf und Hand im Rahmen des natürlichen Lebens in der Wohnstube und der täglichen Arbeit.

Bei der Bildung geistiger Kräfte (Kopf) steht die Begriffsbildung als Grundlage für das gereifte Urteilen im Zentrum. Im Prinzip geht es hier darum, dass das Kind seine Sinne gebrauchen lernt (Anschauung) und zwar stets in Verbindung mit der Sprache. Dies soll wiederum geschehen im Rahmen liebender Zuwendung durch die Erzieher. Tatsächlich lernt ja ein Kind die Sprache nicht anders als im sozialen Kontakt.

Von praktischer Bedeutung ist, dass die Kinder die Dinge ihrer Umwelt mit möglichst allen Sinnen intensiv erfahren und deren Erscheinungsbild in allen Details so genau wie möglich sprachlich benennen lernen. Dies ist dann die Basis für das eigenständige Urteil. Pestalozzi spricht sich vehement dagegen aus, die Kinder über alles Mögliche vorschnell urteilen zu lassen. „Der Zeitpunkt des Lernens ist nicht der Zeitpunkt des Urteilens.“ (PSW 13, 206) Das Urteil sollte sich so, wie eine reife Frucht aus ihrer Schale wie von selbst heraus fällt, aus gereiften Anschauungen wie von selbst ergeben.

Bei der Bildung physischer Kräfte (Hand, "Kunst") geht es um Körperkraft, Geschicklichkeit, Gewandtheit und praktische Anwendung, wobei hier ein untrennbarer Zusammenhang besteht mit der Entwicklung der Geisteskräfte.

Umfangreiche weitere Informationen zum Leben, Wirken und Denken von Johann Heinrich Pestalozzi sind zu finden im Internet unter : www.heinrich-pestalozzi.info/

Dr. Otto Seidel (1908-1967)

war Arzt im St. Vinzenz Hospital. Die Sorge stand im Mittelpunkt seiner Arbeit. Die Straße zwischen Kreuzstraße und B 8 (Willy-Brand-Straße), die am Vinzenz-Hospital vorbei führt, wurde nach ihm benannt.

Dr. Otto Seidel wurde am 1. Juli 1908 in Lünen geboren. Nach dem Medizinstudium in Rostock, Wien und Würzburg verschlug es ihn im Jahre 1936 nach Dinslaken an das katholische Krankenhaus. Dort wartete auf den jungen Arzt viel Arbeit. Während des Krieges vertrat er den Chefarzt, der zum Kriegsdienst eingezogen war. Lange Jahre war er auch als einziger Arzt im Krankenhaus tätig. Nach dem Krieg wurde Dr. Otto Seidel schließlich Chefarzt und musste mit all den Unannehmlichkeiten der Nachkriegszeit fertig werden. Ein geregeltes Familienleben kannte er nicht und auch an Urlaub wagte man im Hauses Seidel nicht zu denken. Nur hin und wieder fuhr er an Wochenenden zur Jagd, seinem einzigen Hobby. Dr. Seidel war bekannt als unermüdlicher Helfer der leidenden Menschen. Für ihn war der Dienst am Nächsten seine Lebensaufgabe. Besonders bei den Arbeitern hatte er große Sympathien erworben, denn er half den kranken Menschen ohne Ansehen der Person. Sein ärztliches Leitmotiv war geprägt von der christlichen und sozialen Verantwortung für den Patienten. 

Elmar Sierp

war Apotheker in Dinslaken und hat sich sehr verdient um den Aufbau des Heimatvereins gemacht. Der Platz vor dem Museum Voswinckelshof wurde im Jahre 2003 nach ihm benannt.

Im Juli 1945 kam Elmar Sierp als approbierter Apotheker aus englischer Gefangenschaft zurück und übernahm als Verwalter von seiner Mutter die Adler Apotheke, die er 1952  von seiner Mutter erwarb und bis in die 1990er Jahre führte. Sein Herz hing an der Heimatpflege. Viele Jahre war er mit großer Unterstützung seiner Frau Vorsitzender des Heimatvereins, dem er fast 50 Jahre angehörte. Für die Rundfenster in der Taufkapelle der St. Vincentius Kirche stiftete er künstlerische Verglasungen, die Stationen aus seinem Leben widerspiegeln. Eines der Fenster zeigt eine seltene Darstellung: Christus als Apotheker.

Kathrin Türks (+ 19.10.1983)

Gründerin des Burghof-Ensembles, das ab 1951 als „Theater für Bergmannskultur“ für Bergleute in Dinslaken Theater machte. Sie war damit die Gründungsintendantin des heutigen Landestheaters Burghofbühne. Die "Rote Kathrin" war eine Pionierin des deutschen Kinder- und Jugendtheaters.

Nach ihr wurde die Dinslakener Stadthalle benannt.

In ihrem Angedenken lobt das Landestheater Burghofbühne gemeinsam mit den Stadtwerken Dinslaken und der Stadt Dinslaken den Kathrin-Türks-Gedenkpreis 2008 aus.

Der Preis wurde 1986 gegründet und ist somit einer der ersten Jugendtheaterautorenpreise überhaupt. Zu den Preisträgerinnen zählen u.a. Lilly Axster und Ingeborg Bayer. In Kathrin Türks´ Sinne richtet sich die Neubelebung des Preises wiederum ausschließlich an Frauen - renommierte Autorinnen wie talentierte Newcomerinnen.

Dr. Josef Zorn (1885 - 1954)

war Pädagoge, Politiker und Gründer der Volkshochschule Dinslaken. Die Stadt ehrt ihn für seine kulturellen und bildungspolitischen Verdienste, in dem sie einen Weg im Stadtpark nach ihm benannt hat.

Am 1. April 1913 kam der gebürtige Kölner Dr. Josef Zorn als Studienassessor ans Dinslakener Jungen-Realgymnasium (heute Theodor-Heuss-Gymnasium), 1916 wurde er dort Studienrat. Seine Fächer: Deutsch, Geschichte und Erdkunde. 1919 übernahm er den Vorsitz der örtlichen Zentrumspartei, wurde Mitglied im Kreistag und in der Stadtverordnetenversammlung.Kurz danach stellte er in der Stadtverordnetenversammlung bereits den Antrag auf Gründung einer Volkshochschule. Wegen der finanziellen Folgen der Märzunruhen 1920 wurde das Ziel zunächst nicht weiter verfolgt.

Ein Mann des „Zentrums"

1932/1933 wurde Zorn für die Zentrumspartei Mitglied des Reichstages. Der NSDAP trat er nicht bei. Nach dem deutlichen Wahlerfolg der Nazis bei den örtlichen Gemeinderatswahlen im März 1933 gab Dr. Zorn in der Stadtverordnetenversammlung am 5. April 1933 eine Erklärung für die Zentrumsfraktion ab: „Als aufrechte Männer wollen wir mitarbeiten. Aufdrängen werden wir uns nicht, unsere Weltanschauung verleugnen werden wir ebenfalls nicht; denn die Zeit braucht Charaktere, ganze Männer und keine Printenmänner." Wenige Tage später schossen Unbekannte am Zornschen Wohnhaus an der Herderstraße durch die geschlossene Rolllade des Arbeitszimmers auf ihn. Der Einschuss ist heute noch sichtbar. Zorn blieb unverletzt; die anschließende Ermittlung verlief ergebnislos. Nach Aussage seiner Tochter Christa fürchtete sich Zorn in erster Linie vor der Bespitzelung durch einzelne Schüler. Trotz seiner ablehnenden Haltung zum Nationalsozialismus hatte er nicht mit Repressalien im Kollegium zu kämpfen.

Krankenhaus statt Gefängnis

Der Verhaftungswelle („Aktion Gewitter") der braunen Machthaber nach dem 20. Juli 1944 entging er durch einen fingierten Krankenhausaufenthalt: Der Dinslakener Kriminalrat Schmidt sollte Zorn verhaften, benachrichtigte stattdessen jedoch den Zornschen Hausarzt Dr. Schäfer. Der wies Zorn mit Hilfe von Dr. Otto Seidel ins Vinzenz-Hospital ein und erklärte ihn für haftunfähig. Kriminalrat Schmidt unternahm inzwischen pro forma einen Verhaftungsversuch im Wohnhaus der Familie Zorn. Der ebenfalls eingeweihte Kreismedizinalrat Dr. Pfahlhaus bestätigte in seiner Eigenschaft als Amtsarzt zum Schein die Haftunfähigkeit Zorns. Bis Oktober 1944 blieb Zorn im Krankenhaus. Er unterrichtet mehrmals in der Woche Schüler in der Flakstellung am Rubbert, die dort als Helfer eingesetzt waren. Den Angriff auf Dinslaken am 23. März 1945 überlebte der Pädagoge unverletzt. Sein Wohnhaus an der Herderstraße war nach dem Bombenhagel unbewohnbar. Familie Zorn bezog bei Familie Sierp über der Adler-Apotheke vorübergehend eine Wohnung. Zusammen mit Ewald Axer stellte sich Zorn nach dem 24. März 1945 der amerikanisch/britischen Militärkommandantur für den Neuaufbau der städtischen Verwaltung zur Verfügung. Er wurde in Personalunion von den Alliierten benannter Landrat -und Bürgermeister.

Erster Volkshochschul-Leiter

Auf Einladung Konrad Adenauers besuchte er 1946 den CDU-Gründungsparteitag. Als überzeugter Zentrums-Politiker ließ er sich aber nicht zum Beitritt bewegen. Als Landrat rief er auf Anweisung der Alliierten am 16. November 1945 den „Ausschuss für Volksbildung" zwecks Gründung einer Volkshochschule im Kreis Dinslaken ins Leben. Der spätere Leiter der Volkshochschule Willi Dittgen nannte Zorn „Initiator, Gründer und Motor" der VHS, dessen ehrenamtliche Leitung er von 1946 bis zum 31. März 1953 übernahm. Auf politisch motivierten Druck der SPD/ KPD legten die Briten Dr. Zorn den Rücktritt als Landrat und Bürgermeister nahe. Er kam seiner Ablösung durch ein eigenes Rücktrittsgesuch am 4. März 1946 zuvor.

INFO: Für Kultur und Heimat

Als von den Alliierten benannter „Kreiskulturbeauftragter" war Zorn auch Mitglied im Bildungs- und Kulturausschuss; er hatte wesentlichen Anteil am Wiederaufbau des Burgtheaters 1946 und dem kulturellen Neubeginn unter anderem durch die Organisation zahlreicher Konzerte und Theateraufführungen.

Er war Vorsitzender des „Vereins für Heimatkunde und Verkehr" seit 19. Mai 1946. Als Oberstudiendirektor war Dr. Zorn seit dem 1. Oktober 1946 Leiter des Dinslakener Gymnasiums. Er plante das Festprogramm zur 675-Jahr Feier der Stadt Dinslaken 1949. Am 31. April 1950 wurde Zorn pensioniert. 37 Jahre lang hatte er in Dinslaken mehrere Schülergenerationen unterrichtet. 1953 erkrankte Zorn an Magenkrebs, am 4. Juni 1954 starb er in Dinslaken im Alter von 69 Jahren.

Vita

- *2.3.1885, Köln
- Marzellen-Gymnasium, Köln
- 1909 Promotion, Universität Bonn
- 1.4.1913 Studienassessor am Dinslakener Jungen-Realgymnasium, heute THG
- 1916 Studienrat am Dinslakener Jungen-Realgymnasium, heute THG
- 1919 Vorsitz Zentrumspartei, Mitglied im Kreistag und Stadtverordnetenversammlung
- 16.4.1919 Antrag auf Gründung einer Volkshochschule; Konzeption des Veranstaltungsrahmens zusammen mit Julius Kalle; das Gründungsvorhaben konnte wegen der finanziellen Folgen der Märzunruhen 1920 nicht weiter verfolgt werden
- 1932/1933 Reichstagsmitglied für die Zentrumspartei
- Anwesenheit bzw. Abstimmungsverhalten zum Ermächtigungsgesetz 1933 unklar
- nach 1933 weiterhin Studienrat, keine Mitgliedschaft in der NSDAP; die Mitgliedschaft in anderen NS-Organisationen (z.B. NS-Lehrerbund) ist nicht bekannt
- Gestapo-Kartei 1939 bescheinigt dem Pädagogen "einen guten Ruf"; "Eine aktive politische Betätigung gegen den Staat ist ihm nicht zuzutrauen."
- Veröffentlichung im Heimatkalender 1942 zu "Alten Erbhöfen im Kreis Dinslaken" mit zwei Textpassagen in "Blut und Boden" - Diktion
- mit Hilfe Dinslakener Mediziner entgeht er der Verhaftungswelle nach dem 20. Juni 1944 durch einen fingierten Krankenhausaufenthalt
- zusammen mit Ewald Axer stellt sich Dr. Zorn nach dem 24.3.1945 der amerikanischen/britischen Militärkommandantur für den Neuaufbau der städt. Verwaltung zur Verfügung
- 1945/46 in Personalunion von den Alliierten benannter Landrat und Bürgermeister
- 16.11.1945 als Landrat u.a. Initiator und Vorsitz des "Ausschuss für Volksbildung" beim Kreiskulturamt zwecks Gründung einer Volkshochschule
- 15.1.1946 Beginn der ersten VHS-Vortragsreihe
- 1.10.1946 als Oberstudiendirektor Leiter des Dinslakener Gymnasiums trägt er wesentlich zum schnellen Wiederaufbau der Schule bei
- wesentlicher Anteil am Wiederaufbau des Burgtheaters und kulturellen Neubeginn
- Vorsitzender des "Vereins für Heimatkunde und Verkehr"
- Planung des Festprogramms zur 675-Jahr Feier der Stadt Dinslaken
- 30.4.1950 Pensionierung nach 37 Jahren Unterrichtstätigkeit
- + 4.6.1954, Dinslaken

Jeanette Wolff (1888-1976)

sie war die bedeutendste deutsch-jüdische Politikerin der Nachkriegszeit. Nach ihr wurde die Realschule an der Wiesenstraße benannt.

Wer mehr wissen möchte: Lebenswege - Jüdisches Leben