Dinslakener Geschichte
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Die alten Dinslakener Handwerkergilden (Zünfte)

 

Von Brunderschaften, Gilden und Zünfte

Seit dem ausgehenden Mittelalter waren die Gewerbetreibenden nach Berufs-sparten organisiert. Anfänglich kam es zur Gründung von Bruderschaften einzelner Handwerkssparten. Sie waren Gebetsgemeinschaften, die für das Seelenheil des verstorbenen Meisters beteten und ihm eine würdige Beerdigung garantierten. In der Pfarrkirche St. Vincentius hatten alle diese Bruderschaften Kerzen stehen, die an kirchlichen Festtagen, Prozessionen und während der Totenmesse der Bruderschaftsmitglieder angezündet wurden.

Die Handwerkergilden, die Vorläufer unserer Innungen, spielten zunehmend mehr auf allen Gebieten des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens eine entscheidende Rolle. Schon in den ersten Jahrhunderten nach der Stadterhebung Dinslakens im Jahre 1273 bildeten sich hier Gilden, Ämter oder Bruderschaften, zu denen sich die verschiedenen Handwerker zusammenschlossen. Es waren straff organisierte Vereinigungen mit sorgsam durchdachten und streng überwachten Satzungen. Sehr eng war die Bindung an das kirchliche Leben. Jede dieser Vereinigungen verehrte einen Schutzheiligen, dessen Name sie meist trug. Die größeren Gilden besaßen in der Kirche einen eigenen Altar. Alle aber waren mit ihren Fahnen und Zeichen bei Prozessionen und anderen Feiern vertreten.

Ihr Einfluss war beträchtlich. Niemand konnte in der Stadt Dinslaken ein Handwerk ausüben, wenn er nicht das Bürgerrecht besaß und in eine Gilde aufgenommen war, deren Bestimmungen er genau beachten musste. Die Strafen und Abgaben wurden von den Gildemeistern eingezogen und bestanden entweder in Geld oder Naturalien. Wer sich der Zahlung widersetzte, wurde durch den Stadtboten gepfändet. Regelmäßige Versammlungen fanden an den Jahr- und Zehrtagen statt.

Die Zünfte standen unter Leitung eines Zunftmeisters, der jährlich neu gewählt wurde. Der Zunfttag, der meistens im Jänner und Februar, meist um Maria Lichtmess stattfand, war im Zunftjahr das wichtigste Ereignis. Nach der Messe, an der jeder Meister bei Strafandrohung teilzunehmen hatte, begaben sich die Handwerker in ihr Zunftlokal, das sich im Hinterzimmer oder im Saal eines Gasthauses befand. Der Gastwirt war immer Mitglied der Zunft und führte den Ehrentitel Herbergsvater. Die Sitzung der Zunft konnte erst nach dem Öffnen der Zunftlade beginnen. In diesen aus Holz gefertigten, mit Intarsien geschmückten Holztruhen befanden sich die Archivalien der Zunft, das Zunftsiegel, mit dem die Lehrzeugnisse gesiegelt wurden und vermutlich die Geldbüchse, in die am Zunfttag der Jahresbeitrag einbezahlt wurde. Sobald die Lade geöffnet war, hatte Ruhe und Ordnung im Sitzungszimmer zu herrschen, eintretende Meister und Gesellen mussten den Hut ziehen. Lehrlinge durften nur „bei offner lad” in das Lehrlingsbuch der Zunft eingeschrieben werden und konnten damit ihre Lehre beginnen. Auch das Freisprechen des Lehrlings, die Anerkennung als Geselle, erfolgte nur bei geöffneter Zunfttruhe.

Zunftzeichen

Besonders stolz waren die alten Zünfte auf ihre Zunftzeichen. Es waren dies zumeist ovale Metallschilder, die mit Symbolen des Handwerks und mit den Zunftheiligen bemalt waren. Die Schuster und Weber hatten einen für ihren Beruf typischen Gegenstand, ein Weberschiffchen bzw. einen Schuh aus Zinn. Jede Zunft hatte ihre Patrone, ihre Zunftheiligen. Crispin und Crispinianus waren die Zunftheiligen der Gerber und Schuster, die Bauhandwerker hatten sich Sebastian und Joseph als Zunftheilige ausgesucht und auf ihrem Zunftschild dargestellt. Diese Zunftzeichen hingen ursprünglich im Stammgasthaus der Zunft an der Wand oder waren an der Decke befestigt. Am Zunfttag wurden sie von der Kellnerin besonders geschmückt, die dafür ein kleines Trinkgeld bekam.

Wie die Zusammensetzung der Zünfte (in denen z. T. verschiedene Berufe kombiniert waren), variierten auch die Zunftzeichen je nach Region.

Auf dem Altmarkt steht ein Zunftbaum (Maibaum), an dem einige Zunftzeichen aus vergangen Tagen aber auch heutiger Handwerksinnungen befestigt sind. Der Schmied Lutz Isselhorst aus Voerde-Möllen hat sie nach Zeichnungen und Skizzen gekonnt gefertigt wie die nachstehenden Fotos von Albert Glöckner belegen.

Herzlichen Dank allen Sponsoren, die es ermöglicht haben, Dinslakener Handwerkergeschichte so lebensnah  zeigen zu können.

Die Bäcker

Die Barbiere

Die Bauleute

Die Gerber

Die Hutmacher

Die Leineweber

Die Schmiede

Die Schröder

Die Schützen

Die Schumacher

Die Wollweber

Die Wollwebergilde

Im Mittelalter wurde das wirtschaftliche Leben der Stadt Dinslaken maßgeblich von den Wollwebern bestimmt. Das Gewerbe ist später wieder restlos verschwunden. Das "Wüllenamt" scheint überhaupt die erste handwerkliche Vereinigung in Dinslaken gewesen zu sein. 1412 waren jedenfalls die Wollweber schon so stark vertreten, dass Graf Adolf von Kleve die Einrichtung eines Wollenamtes in Dinslaken gestattete. Es kann angenommen werden, dass die Wollweber schon vorher Satzungen besaßen, die durch diese Bestimmungen, die sich teilweise an die Kalkarer Satzungen anlehnten, nur ergänzt wurden.

Die Bestimmungen des Dinslakener Wollenamtes betrafen das Weben, Walken, Rauhen, Scheren, Färben, die Maß- und Materialbestimmungen, die Arbeitsordnung und die Abgaben. Das fertige Tuch musste zum Zeichen seiner guten Qualität gesiegelt werden. Von jedem gesiegelten Laken wurde eine Abgabe von 8 Pfennigen entrichtet; 6 erhielt davon die Stadt, 2 der Werkmeister. Diese Werkmeister hatten die Funktion eines Gewerbeaufsichtsbeamten. Sie beriefen die Versammlungen ein, und verwalteten das Vermögen der Gilde.

 

 

Die Schröder (Gewandmacher, Schneider)

Die Schröder (Gewandmacher) erhielten ihren Gildenbrief im Jahre 1399 durch Dietrich von der Mrk. Der damalige Landesherr, er hatte in Dinslaken Wohnung genommen, besiegelte selbst die Urkunde. Auch hier dürfen wir annehmen, dass die Gilde schon vorher bestanden hat.

Wer sich in Dinslaken als Schröder niederlassen wollte, musste nach der Satzung 3 Pfund Wachs zu dem Geleucht der Gilde und 8 Schillinge "Dinslakener payement" (Dinslakener Währung) zahlen.

Die Berufsbezeichnung Schröder ist ausgestorben. Das mittelhochdeutsche Wort "schrot" kann Hieb oder Stich bedeuten. Es kann etwas Abgeschnittenes sein. Meist war der Schröder einer der ein "Schrot", in diesem Fall ein Stück Stoff, passgenau vom Ballen schnitt und es zu Gewändern zusammennähte: ein Schneider also. Seit dem 15. Jahrhundert, als die Familiennamen längst gefestigt waren, wurden die Schröder allmählich von den Schneidern verdrängt.

 

 

Die Zunft der Leineweber

Die Leineweber haben in Dinslaken keine große Rolle gespielt. Sie zeichneten sich vor allem nicht durch besonderen Wohlstand aus. Zudem wurde das Weben von Leinen in den meisten Häusern auf dem Lande, vor allem im Winter betrieben. Andere brachten ihr gesponnenes Garn in die Stadt, wo es von den Webern gegen Lohn weiterverarbeitet wurde. Sie galten meist als "unehrlich". Erst am 21. Mai 1599 erhielten sie auf mehrmaliges Drängen vom Bürgermeister, den Schöffen und dem Rat der Stadt einen Gildenbrief ausgestellt. Die Schneider hatten sich damals darüber beklagt, dass meist nur schlechtes Leinentuch auf den Markt käme, weil in den Kriegswirren sich viele Fuscher als Webermeister ausgäben, die nur eine unvollständige Ausbildung genossen hätten. Hier musste Wandel geschaffen werden.

 

Nach dem neuen Gildenbrief durfte sich kein Leineweber mehr in Dinslaken niederlassen, der nicht ein Meisterstück nachweisen konnte. Trotzdem scheint die Gildeordnung nicht viel Änderung gebracht zu haben. Immer wieder schlichen sich Meister ein, die gar keine waren, so dass schon 1621 erhöhte Strafen angedroht werden mussten.

Die Zunft der Gerber

Die Schumachergilde

1453 erhielten die Schumacher vom Rat der Stadt ihren Gildenbrief. Wie dort vermerkt, hat die Gilde schon von altersher St. Johanns-Gilde geheißen. Denn die "semetlicke meister van den schomekeramt ten Dinslaken", die vor Bürgermeister, Schöffen und Rat kamen, um ihre neue Amtsordnung ratifizieren zu lassen, sprachen von ihrem Verband als von einer Gilde, "van aldes gehieten sinte Johansgilden". Es handelte sich also 1453 nur eine Neuformulierung älterer Statuten. Später (1547 und 1703) wurden die Bestimmungen umgestaltet und erweitert.

Vor allem verwahrten sich die älteren Meister dagegen, dass die Gesellen, sobald sie ein Fell wässern und ein Schuh "lappen" können, schon als selbständige Meister arbeiten. Darum wurde in den Ergänzungen immer wieder neu betont, dass nur der Meister sein dürfe, der das Handwerk vollkommen beherrsche.

 

 

Die Bäcker

Die Bauleute

Von der Gilde der Bauleute hören wir zum ersten Mal etwas im Jahre 1426. Damals bildeten die Bauleute mit den Schützen zusammen die St.-Georgs-Bruderschaft.

 

Die Schmiede

Die Männer am Amboss erhielten ihre Satzung erst im Jahre 1667. Zu dieser Gilde gehörten Grobschmiede, Nagelschmiede, Büchsen- und Messerschmiede, Schwertfeger, Uhrwerker, Kupferschläger und Eisenkrämer. Als Meisterstück hatten die Grobschmiede eine Pflugschar oder ein breites Beil anzufertigen und ein Pferd zu beschlagen.

Die anderen fertigten ihr Meisterstück nach den Anweisungen der Gildenmeister. Jeder neue stiftete, falls er ein Fremder war, eine Tonne Bier, falls er Einwohner war, genügte eine halbe Tonne Bier.

 

Die Schützengilden

Schützenfeste haben am Niederrhein immer nach Kuchen, Bier und Korn gerochen. Es waren fröhliche Volksfeste. Damals nach der Stadtgründung, als eine hohe Mauer mit festen Türmen den Ort umgab, übernahmen die Schützen (Schütten), die in der Schützengilde (Schüttery) zusammengeschlossen waren, den Schutz der Stadt. Es waren meist kirchliche Bruderschaften, die bei Prozessionen mit ihren Fahnen teilnahmen und eigene Altäre in der Pfarrkirche stifteten und unterhielten. Die älteste nachweisbare Schützengilde ist die St.-Georg-Gilde, die 1426 in Verbindung mit der Gilde der Bauleute gegründet wurde. Noch im gleichen Jahrhundert machte sie sich selbständig. An der Spitze der Gilde standen zwei Gildenmeister. Zum Vorstand gehörten außerdem der jeweilige Schützenkönig, die Leutnants, Fähnriche und Sergeanten.

Der Übungsplatz (Duhlen) lag am Rotbach vor dem Eppinghovener Tor. Die Waffen der Schützen bestanden zunächst aus Pfeil und Bogen. Später wurde die Armbrust verwendet. Als das Schießpulver erfunden war, nahm man Hakenbüchsen und schoss mit selbst gegossenen Bleikugeln. Als Rüstung trugen die Schützen eine Eisenkappe mit Schulterkragen und einen Lederschurz. Im 17. und 18. Jahrhundert bildete ein farbiger Mantel die Tracht der Gildenmitglieder. Im Jahre 1468 wurde die St.-Jodokus-Gilde als zweiter Dinslakener Schützenverein gegründet. Beide Gilden schlossen sich 1806 dann zur Bruderschaft vom Hl. Geist zusammen. Das große Gildeschwert wurde 1841 verkauft.


 

Die Hutmacher

Hutmacher ist ein Handwerksberuf, der sich mit der Herstellung von Hüten und anderen Kopfbedeckungen aus Materialien wie Filz, Stoff, Leder, Pelz oder Stroh beschäftigt.

Seit der Novellierung der Ausbildungsordnung in Deutschland im Jahr 2004 ist die offizielle Berufsbezeichnung des zulassungsfreien Handwerks Modist.

Die Barbiere

Der Beruf des Barbiers, des Bartschneiders,  gehört ebenfalls zu den alten Handwerksberufen. Die Barbiere waren auch Teil des Gesundheitswesen.

Oftmals war der Barbier zugleich auch Bader oder arbeitetet mit einem Bader eng zusammen. Der Bader betrieb eine Badestube. Sie waren die „Ärzte der kleinen Leute“, die sich keinen Rat bei den meist klerikalen, studierten Ärzten leisten konnten. Sie übten einen hochgeachteten, obgleich nicht wissenschaftlichen Heilberuf aus. Er umfasste das Badewesen, Körperpflege und Kosmetik, Teilgebiete der Chirurgie, der Zahn- und Augenheilkunde. So gehörte das Ziehen von Zähnen zu ihren Aufgaben. Die Hauptaufgabe der Bader bestand in dem als Allheilmittel gepriesenen Aderlass und im Schröpfen. Hintergrund dieser Therapie ist die antike Lehre der Körpersäfte. Krankheit war ein äußeres Zeichen der in Unordnung geratenen Körpersäfte und nur durch Blutentzug und Wiederherstellung des Säftegleichgewichts zu heilen. Ferner verabreichten sie Klistiere. Neben dem Bader, auch Stübner genannt, arbeitete oft ein Scherer oder Barbier im Badehaus, der für das Haareschneiden und Bartscheren zuständig war.

Erst mit den neuen Gesellen-Prüfungsordnung Anfang des 20. Jahrhunderts fand die Trennung zwischen Haar- und Heilkunst statt. Seitdem wurde das Anfertigen von Pflastern und Salben nicht mehr geprüft. Zähneziehen durften sie aber noch bis zur Verabschiedung des Zahnheilkundegesetzes im Jahre 1952.

Im Laufe der Geschichte bildeten sich also aus dem Berufsfeld der Barbiere unsere heutigen Firsöre (Friseure, Coifeure) und Zahnärzte (Dentisten) heraus.

Aus den Berufen Bader und Barbier entwickelte sich aber auch der Berufsstand der Handwerkschirurgen, später Wundarzt genannt.

Das preußische Sanitätswesen entwickelte sich aus dem deutschen ‚Scherer- und Badertum’.